California Lovin‘

Mittlerweile liegt mein Besuch im Napa Valley, gelegen im US Bundesstaat Kalifornien, bereits einige Tage zurück, trotzdem möchte ich, wie versprochen, meine Erfahrungen und Eindrücke in einem Blogbeitrag mit euch teilen.

Kurz zum Napa Valley und dessen Geschichte:
Schon Ende des 19. Jahrhundert haben die ersten Pioniere die Möglichkeiten des Weinbaus im Napa Valley erahnt und sich fortan mit dem Aufbau eines Weingutes dort beschäftigt. Unter den Ersten waren Charles Krug und die Beringer Brüder. Die Zeit der sogenannten Prohibition, des Alkoholverbotes in den USA zwischen 1920 und 1933, war für die Region ein großes Problem. Es durfte kein Wein produziert und verkauft werden. Darum mussten sich die Arbeiter und Inhaber von Weingütern neue Erwerbsquellen suchen und sind später nicht in den Weinbau zurückgekehrt. Meist wurden die Kenntnisse über den Weinbau durch Europäer in die USA gebracht. Nur wenige Weingüter überlebten diese Zeit, teilweise durch illegale Handlungen, aber auch durch die Produktion von Messwein für die Kirchen.
Bedingt durch die Rückschläge der Prohibition und der Reblaus, die teilweise flächendeckend auftrat und ganze Rebflächen vernichtete, kam es erst in den 1970er und 80er Jahren zum Aufschwung im Napa Valley. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung war der Sieg des 1973er Chardonnay aus dem Hause Chateau Montelena bei einer verdeckten Weinprobe mit französischen Weinen, dem sogenannten Judgement of Paris. Diese Geschichte wurde im Film „Bottle Shock“ verfilmt – absolut empfehlenswert. Mit diesem Triumph war klar, dass in diesem Tal exzellente Weine produziert werden können. Fortan war der Boom des Napa Valley unaufhaltsam.

Nun aber genug der geschichtlichen Exkursion – zurück zu den Tatsachen:
Zwischen vielen Chardonnays, Zinfandels und noch mehr Cabernet Sauvignons ließ sich kaum der Überblick behalten. Zum Glück habe ich von lieben Menschen einen Plan ausgearbeitet bekommen, den es „abzuarbeiten“ galt :-) In der Fülle von Betrieben werde ich hier nur eine Auswahl wieder geben. Es soll schon jetzt eines gesagt sein – ihr müsst einfach selbst hinfahren!

Beringer Vineyards: 
Meine Reise begann bei warmen und sonnigen 15° C Ende Februar zwischen Tulpen und Palmen im Anwesen der Beringer Brothers Winery. Besonders beeindruckend waren für mich die Geschichte und das Anwesen. Die deutschen Brüder Jakob und Frederick erwarben im Jahr 1875 rund 87 Hektar Land für ca. 14.000 US Dollar in der Region St. Helena im Napa Valley und begannen mit dem Aufbau des Weingutes als einer der ersten Winzer in der Region. Das bekannte Rhein Haus wurde im Jahr 1884 fertig gestellt und war dem Stil einer deutschen Villa nachempfunden. Noch heute gilt es als Wahrzeichen des Weingutes. Im historischen Keller durfte ein traditionelles Weinfass von der Mosel nicht fehlen.
Bei einer geführten Tour im Weingut durfte ich an einer Weinprobe zum Thema „Essen und Wein“ teilnehmen. Zu vier ausgewählten Weinen wurden je ein Stück Zitrone, Schokolade und etwas Salz gereicht. Damit lässt sich gut demonstrieren, wie sich der Geschmack eines Weines verändert, wenn unterschiedliche Geschmacksknospen der Zunge durch ein Gericht angesprochen werden. So lässt sich auch erklären, warum ein Lieblingswein zu manchen Gerichten nicht schmeckt, da vielleicht eine Geschmackskomponente überwiegt. Überwältigt von den Dimensionen dieser Winery zählt der Besuch zu meinen sogenannten „Walt Disney Erfahrungen“, alles toll und authentisch inszeniert, aber doch wie in einem Walt Disney Film :-)

Sterling Vineyards:
Weiter ging es zu Sterling Vineyards, hoch auf einem Berg gelegen, befindet sich das einer spanischen Mission nachempfundenen Weingut. Um auf das Anwesen zu gelangen, kann man mit einer Gondel fahren. In einem einmaligen Setting mit traumhaftem Blick über das Napa Valley erwartete mich eine ausgeschilderte Tour mit kleinen Ständen zum Verkosten der Weine. Eine Inszenierung der etwas anderen Art und ebenso in die Kategorie „Walt Disney Erfahrung“ einzuordnen. Durch den Ablauf der Tour konnte man gute Einblicke in das tägliche Geschehen erfahren. Leider hat mich sonst nicht so viel angesprochen, denn ein Besuch in einem Weingut steht und fällt mit den Menschen, die dafür leben – oder auch nicht :-(

Chateau Montelena:
Ein geschichtsträchtiger Besuch war die Weinprobe im Chateau Montelena. Natürlich habe ich als Reisevorbereitung den Film „Bottle Shock“ gesehen und war sehr beeindruckt, dass alles so aussieht wie im Film! Sogar den 1973er Chardonnay gab es noch im Glaskasten zu sehen, leider nicht zum Probieren :-( Den aktuellen Jahrgang gab es jedoch zu verkosten, und der hat mir in der Tat sehr gut geschmeckt. Ein toller Chardonnay, nicht zu viel Holz, nicht zu schwer, genau mein Typ!

… und vieles mehr!
Natürlich gab es noch viele weitere Betriebe zu erkunden. Vor allem kleinere Weingüter, wie St. Clement Vineyards, Napa Valley oder Stuhlmuller Vineyards, Sonoma Valley haben es mir mit ihren Weinen angetan. Allen Schaumweinfans ist Schramsberg Vineyards sehr zu empfehlen – morgens direkt nach dem Frühstück ein perfekter Start in den Tag :-) Nach einigen Tagen Weintasting habe ich lange nicht alles gesehen und werde mit Sicherheit zurückkommen. Wer also in Kalifornien ist oder eine Reise plant, sollte hier unbedingt einen Abstecher machen!

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