Kellereiarbeit – Teil 1 : Die Ernte

Der Herbst. Lange haben wir auf diese Zeit hingearbeitet. Und schwups … da ist er.
Das ganze Jahr wurden die Trauben gehegt und gepflegt. Oft schon haben uns die Touristen gefragt, ob wir denn suizidgefährdet sind. Immerhin sind die Weinberge doch so steil. Aber dem waschechten Moselaner macht das wenig aus. Und wenn die Trauben reif sind, dann werden einfach mal schnell alle Verwandten, Freunde und Bekannte zusammengetrommelt, und dann geht es los.

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Am Abend zuvor werden noch ein großer Topf mit Suppe gekocht, viele Brötchen geschmiert und traditionell ein Blech mit Nussecken gebacken, damit auch keiner hungert. Mit Eimern und Scheren bewaffnet, fährt jetzt der ganze Lesetrupp in den Weinberg.

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Am einfachsten liest sich ein Weinberg von unten nach oben. Mit der Gartenschere jetzt erst mal die vielen Blätter wegschneiden. So können die Trauben besser gelesen werden. Die Traube mit einer Hand packen und am Stiel abschneiden. Hier müsst ihr aufpassen. Der Stiel der Traube ist holzig und fest. Es braucht also ein bisschen Kraft. Aber Achtung, nicht zu viel, sonst geht es euch wie mir im letzten Jahr. Ich kann euch sagen, ich hab mir nicht nur einmal in die Finger geschnitten.

Der Vorteil der Handlese ist natürlich, dass bei ihr direkt eine Selektion vorgenommen werden kann. Nur reifes Traubengut wird gelesen, faule Trauben bleiben am Stock hängen. Natürlich machen sich die Winzer auch moderne Technologien für die Weinlese zunutze. In vielen Flachlagenweinbergen werden Vollernter eingesetzt. Diese fahren durch die Rebzeilen und schütteln die Beeren ab. Das Stielgerüst verbleibt am Stock.

Die Trauben werden dann in einen Eimer getan, der immer vor dem Rebstock steht. Auf diese Art werden alle Trauben an einem Stock gelesen, und dann geht es ab zum nächsten. Ist der Eimer voll, bringt ihr ihn zum Traktor, der große Bütten auf dem Anhänger stehen hat. Jetzt kommen unsere Herren zum Einsatz. Sie dürfen die Eimer auskippen.

Am Schönsten an der Lese ist das gemeinsame Mittagessen. Wir sitzen alle zusammen auf improvisierten Sitzgelegenheiten, meistens unsere Leseeimer, und lassen es uns schmecken. Nach der harten Arbeit schmeckt es allen besonders gut. In der geselligen Runde wird außerdem die eine oder andere Flasche Wein getrunken.

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Aber dann muss weitergearbeitet werden. Stock für Stock, Zeile für Zeile, wird ein Weinberg nach dem anderen gelesen. Bis irgendwann alle Trauben als Federweißer in den Fässern gärt. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, über den ich euch in den folgenden Beiträgen gerne berichten werde.

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